Standardfarben? Fehlfarben? Was ist was?

 

Ich habe lange überlegt ob ich diese Rubrik auf meine Homepage mal setze. Vorab dies ist keine(!) wissenschaftliche Abhandlung und spiegelt meine Erfahrungen und meine Meinung wieder. Auch wird sicher der eine oder andere Begriff nicht korrekt sein, ich möchte es für sie als Interessent an der Rasse so einfach wie möglich halten und sie nicht mit Fachbegriffen und genauen Differenzierungen verwirren. Wenn sie dies suchen, können wir uns gerne genauer darüber unterhalten. Auch das Internet bietet viele Seiten wo dies differenzierter und wissenschaftlicher behandelt wird. Im übrigen kann es hier und da unsachlich werden, da ich meinen Gedanken freien lauf lasse. Zudem möchte ich hier anmerken das ich kein Farbzüchter sein möchte, da die Gesundheit immer an erster Stelle stehen sollte und nicht eine bestimmte Farbe!

Ein herzliches Dankeschön an alle die mir Bilder ihrer Tiere zur Verfügung gestellt haben!

Gerne freue ich mich darüber wenn Sie mir noch ein Bild, egal zu welcher Farbe zur Verfügung stellen.


Standardfarben

Ich beginne am besten mit den Standardfarben, sie sind laut dem Standard der FCI die zugelassenen Farben für die Französische Bulldogge. Sie nennen sich brindle, fawn und pied.

Ja hört sich erst einmal langweilig an für den Laien, aber diese drei Farben bieten ein wahres, farbenfrohes Meer an Fellfarben. So gibt es brindle in viel und wenig Stromung, hell und dunkler, eher braunfarbend oder rotfarbend. Fawn in einem Milchkaffee-Ton oder in einem Hirschrot. Diese zwei Farben jeweils dann auch noch in gescheckt, sowie dann mit und ohne weiße Abzeichen und auch mit oder ohne schwarze Maske. Kaum eine Rasse bietet so viele Farben wie die Französische Bulldogge laut Standard. Im einzelnen werde ich nun Ihnen Bilder und Bezeichnungen hier reinstellen, um Ihnen dies näher zu bringen. Alle drei Standardfarben sind gesundheitlich unbedenklich.


Brindle = Gestromt



Fawn = Rot (Laien würden diese Farbe als Braun bezeichnen, das ist bei dieser Rasse falsch)


Sable (Debby, Fr. Bully)


Sable ist etwas umstritten. Man nennt es auch Zobel, Rot mit Rauch oder unsauberes Rot. Der Hund besitzt schwarzes Fell an manchen Stellen bzw. weist dunkle Haarspitzen auf. Oftmals haben diese Tiere eine dunkle Rute wie ihr oben auf dem ganz rechten Bild erkennen könnt. Diese Farbe gibt es seit eh und je im FCI ist aber aufgrund der Ästehtik nicht gerne im Showring gesehen. Diese Tiere landen so meist nur in Liebhaber Hände. Für einige stellt Sable eine Fehlfarbe da, was sich mir allerdings nicht erschließt. Für mich und auch viele Zuchtrichter die ich traf ist dies eine Standardfarbe. Deswegen führe ich sie hier mit auf.


Pied = Gescheckt/ Gefleckt


Wie oben beschrieben gibt es gerade beim Pied zig verschiedene Farbkombinationen aus Brindle und Fawn. Artax (ganz links) besitzt zudem sogenannte "Forellenflecken", das sind die vielen kleinen Flecken die bald schon an Sommersprossen erinnern. Sie sind unter FCI Züchtern nicht gerne gesehen, ein reinweißer Hund mit sauberen abgegrenzten Brindle oder Fawnflecken ist dort ebenso aus ästethischen Gründen zu bevorzugen. Ich hingegen finde gerade diese "Wunschpunkte" (wie ich sie nenne) sind doch das schöne! Großflächige Flecken auf einen Tier bezeichnen es als Mantelschecke (ganz rechts).

Die Zucht mit Pied ist für mich nur in ein Aspekt wichtig zu beachten. Keine Pied x Pied Verpaarung! Warum? Mit so einer Verpaarung besteht ein höheres Risiko auf Taubheit oder Blindheit! Viele Züchter gehen dieses Risiko ein, ich für mich möchte das nicht, daher würde ich einen Pied immer mit einem "vollfarbigen" Hund verpaaren. Allgemein hält sich die Behauptung das Pied Hunde ein höheres Risiko für Allergien haben, das können meine Tierärzte und viele mir bekannte Tierhalter so nicht bestätigen.


Fehlfarben oder auch Sonderfarben genannt

Wer sich mit der Rasse Französische Bulldogge befasst kommt nicht an ihnen vorbei: Fehlfarben/Sonderfarben.

Sie sind laut dem Standard der FCI verboten bzw. unerwünscht und werden daher als Fehlfarben bezeichnet. Da dies für einige Halter und Züchter kein schönes Wort ist, benutzen sie gerne das Wort Sonderfarben, um das negative etwas zu nehmen. Diese Tiere sind natürlich nicht weniger Wert als Standardfarben! Landen aber im FCI dann meist in Liebhaberhände und nicht in der Zucht.

Fragt man nach entbricht ein wahrer Krieg in sozialen Netzwerken. Es scheint nur ein Für oder ein Dagegen zu geben. Ja sie sind gesund, nein sie sind es nicht. Zur letzteren Gruppe fühlte ich mich lange dazugehörig. Mittlerweile bin ich einer der wenigen die eher in der Grauzone dazwischen sich tummelt. Im Endeffekt muss es jeder für sich entscheiden ob er speziell auf Farbe züchtet oder nicht. Was mich vorallem bei vielen Farbzüchtern abschreckt, ist die zahllose Kombination an Genlokus Angaben für die Farben der Elterntiere und der Welpen, aber selten werden Gesundheitsuntersuchungen angegeben. Es scheint mir meist, die Gesundheit ist egal, es zählt nur die Farbe und somit leider auch oft der Profit. Wo sich Standardfarbende Welpen zwischen 1.200-2.000€ bewegen, gehen die Fehlfarben/Sonderfarben oft bei 1.500€ los mit einem Ende offen. Da kommt man ins grübeln und so stellte auch ich mich verhasst gegen diese Züchter.

Aber man lernt ja bekanntlich dazu!!!

Mittlerweile kenne ich einige Fehlfarbenzüchter (eigentlich auch ein unschönes Wort) die nicht nur Wert auf Optik, sondern auch vorallem auf Gesundheit legen! So weichte langsam mein verhärteter Blick auf und ich befasste mich vernünftig mit diesen Farben und den Züchtern, aber auch vorallem mit den Möglichkeiten die sie uns in unserer Zucht bringen können.


Schoko(lade) = Choco, Braun


Schoko ist immer schon mal in Würfen aufgetaucht. Da es keine gewünschte Farbe war laut Standard, wurden die Welpen in Liebhaber Hände gegeben. Schoko ist nicht gesundheitlich beeinträchtigend, daher ist die Zucht mit oder auf diese Farbe nur eine Frage ob man im Standard bleiben möchte oder nicht. Ich persönlich finde das die Tiere durch ihre leberfarbenden Lefzen, Nase und Augenlider immer kränklich aussehen. Die gelben bis bernsteinfarbenden Augen unterstreichen dieses Bild, sind aber auch irgendwie fesselnd. Daher würde ich einen Schoko nicht in erster Linie als Zuchtpartner suchen, würde ihn aber auch nicht verschmähen, wenn er gesundheitlich Punkten kann.


Black = rezessives Schwarz

Die Farbe Black ist ohne Stromung! Woher diese Farbe kommt ist mir zumindest ungewiss. Die Farbe birgt keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen und somit ist es hier auch die Frage ob oder ob man nicht im Standard bleiben möchte. Ich finde persönlich diese Farbe an unseren Bullys schlicht langweilig. Als Zuchtpartner würde ich so ein Tier dennoch in Erwägung ziehen.


Creme


Creme gibt es in verschiedenen Abstufungen. Cremeweiß bis hin zu einem Apricot-Ton. Manchmal hat Creme auch einen leichten gelbstich/vanilletouch im Fell. Ich weiß persönlich nicht viel über diese Farbe und habe mich noch nicht mit ihr so wirklich auseinander gesetzt. Daher kann ich derzeit nicht sagen ob oder ob ich nicht so ein Tier in der Zucht nutzen würde.


Tan = Lohfarbend

 

Leider habe ich derzeit auch hier kein Foto zur Verfügung.

Black and Tan ist aber die typische Rottweiler-Farbe. Sprich Schwarz mit Braun/Roten Abzeichen.

 

Tan ist auch etwas umstritten. Da wir wissen das Bullys unteranderem auch durch Kreuzungen mit Terriern entstanden geht man davon aus, das von dort die Farbe herkommt. Andere gehen davon aus, das erst vor kurzem Englische Bulldogge mit eingekreuzt wurde und so die Farbe in den Bully kam. Denn plötzlich schossen diese Tiere aus allen Ecken, vorher hatte man sie nie gesehen. Nichts desto trotz das man darüber keine genaue Angabe hat, ist diese Farbe nicht gesundheitlich beeinträchtigend. Somit ist auch hier die Zucht auf und mit der Farbe nur eine Frage ob man im Standard bleiben möchte. Ich persönlich mag diese Farbe sehr gerne, wenn die Abzeichen sauber sind. Einen Zuchtpartner in dieser Farbe würde ich in Erwägung ziehen.


Blue = Blau, Mausgrau, Anthrazit


Blau ist wohl fast immer der Auslöser für Streitigkeiten in sozialen Netzwerken. Ich war ebenfalls ein Gegner dieser Farbe. Ich möchte jetzt hier keinen Genetik-Kurs machen. Daher können Sie sich am besten folgende Seiten anschauen um sich über die Entstehung der Dilution (Verdünnung), ihren geschichtlichen Ablauf bei dem Dobermann, Krankheitssymptome usw. zu informieren. Das würde hier sonst den Rahmen sprengen! (Es gibt noch weit aus mehr Seiten, ich finde diese drei Seiten geben einen guten ersten Einblick in die Thematik)

 

http://www.biofocus.de/media/files/downloads/72_bf-432-farbvererbung-d-lokus.pdf

https://blaue-hunde.de.tl/blaue-Fellfarbe.htm

http://www.daswahregrauen.de/bds.htm

 

Aufgrund dessen das schon einige Rassen von CDA (Colour Dilution Alopecia) betroffen sind, war ich stets ein Feind dieser Farbgebung. ABER wie wir wissen gibt es auch Rassen die damit keine Probleme haben, z.B. die Deutsche Dogge. Man könnte nun warten bis alle Blauen Zuchthunde 3 Jahre alt sind, denn bis dahin würde zum derzeitigen Wissenstand die Krankheit ausbrechen und man würde diese Tiere erst dann zur Zucht zulassen/verbieten. Vielleicht ist diese Zuchtweise auf/mit blau auch noch zu früh bei den Bullys? Bei den Dobermännern hat es ca. 30 Jahre gedauert bis dann urplötzlich die CDA in Massen ausbrach?! Es ist ein sehr heikles Thema und ich möchte Ihnen nun meine Gedanken nahe legen:

Ich möchte so lange nicht einen einzigen Welpen in der Farbe Blau züchten, bis ein sicherer Test auf CDA besteht, bzw. bis wir wissen das die Bullys zu den "resistenten" Rassen gehört. Allerdings möchte ich blaue Zuchtpartner nicht von meiner Liste gänzlich streichen, wie ich es zuvor tat. Mittlerweile gibt es bei guten und seriösen Züchtern auch Tiere die gesundheitlich sehr gut sind, nur dann halt d/d, also Blau sind. Wenn ich also z.B. meine Alice die D/D ist mit einem d/d verpaare, könnten nur Trägertiere entstehen (D/d). Keines dieser Tiere kann an CDA erkranken, da dies nur in Verbindung mit der Verdünnung passieren kann, also d/d. Somit kann ich Fremdelinien, die uns händeringend Fehlen in der gesunden Zucht, nutzen ohne das Risiko einzugehen das ein Welpe an CDA erkrankt. Mit einem Träger (D/d) und Alice (D/D) würde es dann sogar Nachwuchs ohne und mit Trägerschaft geben. Das erweitert unseren Genpool erheblich! Deswegen habe ich mich von meiner Sturheit, gar keinen Träger (D/d) oder Zeiger (d/d), zur Zucht zunutzen gelöst. Genetiker empfehlen ebenfalls die gleiche Vorgehensweise, nicht auf Blau zuzüchten, aber die Tiere die da sind, sinnvoll mit D/D Tieren zu verpaaren, wenn sie einen Nutzen (in unserem Fall die Gesundheit) haben.


Lilac = fliederfarbend

Leider habe ich derzeit kein Foto.

Es ist kein richtiges "lila" oder "violett". Eher kann man es sich als braun-grau-blau-gemisch vorstellen. Lilac ist die Verdünnung von Schoko. Bedeutet ein Schokofarbendes Tier (b/b) trägt zudem beide Anlagen für die Dilution (d/d). Ich könnte jetzt wieder weit aushohlen aber im Grunde sollte Ihnen klar sein wie hier meine Antwort lautet. Ein Tier als Zuchtpartner würde ich nur in Erwägung ziehen, wenn es sehr gesund ist und somit einen Nutzen zur Verbesserung der Rasse hat und dann auch nur zu einem D/D Zuchtpartner (siehe meine Ausführung unter "Blue"). Denn auch hier besteht die Gefahr durch CDA.


Merle = marmoriert, gesprenkelt


Merle ist auch so ein schwieriges Thema. Merle gab es nie in der Französischen Bulldogge. Durch Kreuzungen mit Tigerdackeln oder merlefarbende Chichuahuas bekam man dieses Muster (es ist keine Farbe!) in die Bullys. Durch die Einkreuzung erhöhte sich natürlich der Faktor der Krankheit, denn auch diese beiden Rassen sind leider sehr vorbelastet. Auch der Charakter hat sich dadurch gerade in den ersten Generation sehr gewandelt. Mit der ersten Generation (F1) züchtete man nur noch weiter mit Bullys, um dann mit der F8 als wieder reinrassig zu zählen. Merle x Merle Verpaarungen sind bei allen Hunderassen laut Tierschutzgesetz verboten. Solche Verpaarungen zählen als Qualzucht! Die daraus resultierenden Welpen (oft als "Weißtiger" bezeichnet, da sie fast schneeweiß sind) sind oftmals stark missgebildet in sämtlicher Form, vorallem die Augen und Ohren sind meist betroffen!!! Auch "normale" Verpaarungen (z.B. Merle x Brindle) haben immer einen gewisses Risiko missgebildete Welpen zu zeugen.

Merle ist wie gesagt ein Muster, die Grundfarbe könnte jetzt noch z.B. Blau sein, so hätte man noch ein gewisses Risiko der CDA dabei. Gefährlich wird es bei "hellen" Grundfarben wie Fawn oder Creme. Das Muster verändert nur "dunkle" Stellen und so kann ein fawn Hund eigentlich ein merlefarbendes Tier sein. Teste ich nun so ein Tier aus einer Merleverpaarung nicht auf dieses Muster und verpaare es mit einem Merlepartner, so würde ich gegen das Gesetz verstoßen und kranke Welpen zeugen. Ich gebe zu, so mancher Merlebully sieht sehr interessant und hübsch aus, aber wie Sie sicher merken bin ich absolut nicht für dieses Muster in der Bullyzucht. Ich sehe derzeit nur Nachteile, selbst wenn so ein Bully top gesund ausgewertet ist, kann er grundsätzlich missgebildete Welpen zeugen. Das muss ja nicht der Fall sein (!!!), aber allein das Risiko würde ich nicht eingehen wollen, für das Tier und den zukünftigen Welpenbesitzer.